Zürcher Südkurve
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Spiel für Geischter, ohni Seel

Die Liga hat entschieden: Die Fussballsaison geht – nach einem dreimonatigen Unterbruch – weiter.  Sie findet unter Bedingungen statt, die sonst zur Bestrafung von Vereinen vorgesehen sind, nämlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Geisterspiele, die uns nun wohlfeil verkauft werden sollen, als beste der allesamt nicht sonderlich guten Optionen, die der Liga in Zusammenhang mit dem Virus offenstehen würden.

Wir anerkennen die Haltung der Liga (und des FCZ) in dieser Frage, sind aber anderer Meinung. Die Haltung, es müsse um jeden Preis weitergehen, teilen wir nicht. Denn der hauptsächliche Grund dafür, dass es in dieser Form weitergeht, sind die TV-Verträge, die in der Entscheidung der Liga alle anderen Überlegungen überragen. Die gesellschaftlichen Überlegungen etwa, was es für ein Signal aussendet, wenn die Liga die Fortführung ihrer Saison für derart zentral befindet, während weiterhin ringsum Menschen vor gravierenden medizinischen und wirtschaftlichen Herausforderungen stehen. Oder die finanziellen Bedenken der kleineren Vereine in der obersten Liga, für die Geisterspiele ein Verlustgeschäft sind, welche ihre bereits prekäre Lage weiter verschärfen werden. Schliesslich sportliche Überlegungen: Was ist die Tabelle am Ende einer solchen Saison eigentlich wert, die von einem derart langen Unterbruch gekennzeichnet ist? Was geschieht, wenn ein Spieler erkrankt und dessen Mannschaft in Quarantäne muss?

All diese Aspekte tragen offenkundig wenig Gewicht in der Entscheidung der Liga, während die TV-Verträge und die damit verbundenen Einnahmen zentral sind. Für uns zeigt dies ein weiteres Mal auf, dass sich unsere Vorstellung des Fussballs nicht mit jener deckt, die in Bern bei der Liga, in Nyon bei der Uefa oder am Zürichberg bei der Fifa vorherrscht. Ihre Vision, in der Fussball hauptsächlich Geschäft ist, ist mitunter dafür verantwortlich, dass die Vereine heute derart vom Fernsehen abhängig sind und sich dadurch jetzt zu dieser Entscheidung genötigt sehen.

Die Reduktion des gesamten Anlasses eines Fussballspiels mit all seinen sozialen Elementen auf ein Spiel unter Testspielbedingungen, in welchem Zuschauer höchstens auf Karton oder ab Band vertreten sind, machen wir nicht mit. Es sind der Austausch mit anderen, die gemeinsame Erfahrung vor Ort, die Geschichten, die vor, während und nach Spielen geschrieben werden, die den Fussball zu einem gesellschaftlichen Phänomen machen. Ohne diese, dazu verdonnert vereinzelt als Konsumenten vor dem Fernseher sitzend die Spiele der eigenen Mannschaft zu verfolgen, entfällt der Zauber dessen, was Fussball ausmacht.

Die geplanten Geisterspiele dieser Saison werden seelenlose Veranstaltungen sein, die ohne uns stattfinden. Wir werden sie weder unterstützen, noch in irgendeiner Form aufwerten.

Zürcher Südkurve


02.06.2020