Ein Cupfinal für möglichst alle

Die Ticketpolitik für den Cupfinal sorgt für Kopfschütteln unter den Anhängern des FCZ. Während für Tickets in den Kurven 50 Franken verlangt werden, sind für solche auf den Tribünen 100 oder 120 Franken fällig. Diese Preise sind zu hoch und widerspiegeln eine Preispolitik, die offenkundig nicht zum Ziel hat, «ein Fussballfest für alle» zu ermöglichen (Zitat des Berner Stadtpräsidenten von Graffenried). Für Schüler oder Lernende wird der Cupfinal zum Luxus. Wer vorhatte, das Spiel mit seiner Familie von der Tribüne aus zu verfolgen, muss mit Ausgaben von mehreren hundert Franken rechnen. 
 
Aufgrund der verfehlten Preispolitik hat die Zürcher Südkurve entschieden, 300 ermässigte Tickets für den FCZ-Fansektor an Jugendliche unter 18 Jahren zu verkaufen. Dies ist ein Zeichen gegen die horrenden Ticketpreise am Final, die nochmals höher sind als beim Final im vergangenen Jahr und rund doppelt so hoch wie die Preise für dieselben Plätze im gleichen Stadion in der Meisterschaft. 
 
Pro Ticket übernimmt die Zürcher Südkurve 15 Franken, sodass die 300 Tickets für 35 Franken pro Stück zu kaufen sind. Pro Person wird nur ein ermässigtes Ticket verkauft. Der Verkauf findet am 4. Mai ab 19 Uhr im Attika an der Hohlstrasse 452 statt. 
 
Bei dieser Gelegenheit soll darauf hingewiesen werden, dass das Vorgehen des Schweizerischen Fussballverbandes bezüglich Cupfinal höchst fragwürdig ist. Ein Final in Bern gründet in der Schweizer Cuptradition, auch wenn der Charme des alten Wankdorfs mit dem Stade de Suisse gänzlich verschwunden ist. Mit einem Final auf Kunstrasen werden jedoch einseitig Vorteile für einen Finalteilnehmer geschaffen, welcher jedes seiner Heimspiele auf dieser Unterlage austrägt. 
 
Zudem: Nachdem die Stadt Bern jahrelang eine nochmalige Ausführung des Finals explizit ablehnte, sind nun mit der Finalteilnahme YBs plötzlich sämtliche Bedenken verflogen. Weder Sicherheitsbedenken noch die damit verbundenen finanziellen Risiken, die in der öffentlichen Debatte gerne ins Feld geführt wurden, scheinen mehr Argumente dagegen zu sein. 
 
Die vermeintliche Meisterschaftseuphorie rund um YB wird vom SFV mittels der Ticketpreise finanziell ausgeschlachtet, um die von der Stadt Bern auferlegten Sicherheitskosten zu decken. Das vom SFV vorgebrachte Argument, wonach im Ticketpreis auch die Anreise per ÖV an das Spiel inbegriffen ist, ist ein scheinheiliges. Die Kopplung des Tickets an eine von den Behörden diktierte Anreise ist ein Schritt in Richtung Kombiticket, egal wie man es darstellt. Fans sollen selber bestimmen dürfen, wie sie zum Stadion anreisen, um ihren Verein zu unterstützen. 
 
Die ermässigten Tickets für die Jungen in der Kurve sind ein bescheidener Beitrag, um den Zugang zum Cupfinal möglichst vielen zu ermöglichen. Es liegt nicht nur an der Kurve, sondern vor allem am Fussballverband, sich für eine solidarischere Preispolitik einzusetzen und dafür zu sorgen, dass der Fussball allen zugänglich ist. 
 
GMEINSAM UNUFHALTSAM
10. April 2018 | zurück zu Aktuell